Christian Artaker mit Dr. Kee Wee TAN                            Singapore 2014 12 08

Christian Artaker mit Dr. Kee Wee TAN
Singapore 2014 12 08

Bei der Aufzählung der Länder die sich dem BIM Gedanken verschrieben haben, scheint Singapur auf den ersten Plätzen auf. Die Antwort auf meine Frage an Dr. Kee Wee TAN Leiter Construction IT – Building & Construction Authority of Singapore (BCA), entspricht unserem Bauten Ministerium, warum schwerpunktmäßig auf BIM gesetzt wird, hat mich überrascht.

Nicht der Druck jedem neuen Trend nachzugeben, sondern die positiven Auswirkungen der integralen Planungsmethode für nachhaltiges und Lebenszyklus orientiertes Bauen und Betreiben von Gebäuden sind der Grund auf BIM zu setzen.
Es sind dies Termintreue bei der Bauausführung und Einhaltung der Budgets, aber vor allem die Möglichkeit Fertigteile in hohem Maße einzusetzen. Die Gründe dafür sind einleuchtend.

Ca. 50% der gesamten Bauleistungen laufen über das Bauten Ministerium, dabei werden zum überwiegenden Teil ausländische Arbeitskräfte eingesetzt. Diese werden in der nächsten Zeit nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, wenn Staaten aus denen sie rekrutiert werden, selber einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und Bauarbeiter lieber in ihrer Heimat tätig werden.
Derzeit stehen ca. 300.000 Bauarbeiter aus Pakistan und Indien unter Vertrag, allerdings mit mehr Rechten, als dies z.B. in Dubai der Fall ist.
Also weg von konventioneller Bauweise hin zur Verwendung von industriell vorgefertigten Wänden, Stützen, Trägern und Fassadenteilen sowie jede Form von Haustechnik / TGA Einrichtungen. Speziell am österreichischen Know how für Holzbinder Träger und Holzbauten im Allgemeinen besteht großes Interesse.
BCA ist IFME Mitglied, International Forum for Mechanical Engineering bzw. Municipal Engineering.
NÖT – die neue Österreichische Tunnelbaumethode war BCA hingegen nicht geläufig, obwohl, wegen der hohen Verbauungsdichte der öffentliche und private Verkehr unter die Erde verlegt wird.

Bei öffentlichen Ausschreibungen werden daher 3D CAD Modelle verlangt. BIM, wo Architektur, Statik und Hautechnik auf das gleiche 3D Gebäudemodell zurückgreifen, werden wegen den Fertigteil Anwendungen bevorzugt.
Wieso BIM? Auch 3D CAD Modelle eignen sich als Grundlage für industrielle Fertigteil Produktionsmethoden.
Ja, das stimmt, aber bei BIM geht die Wahrscheinlichkeit gegen Null, dass z.B. eine vorfabrizierte Lüftungsanlage nicht mit einem Träger kollidiert oder ein Fassadenteil nicht genau in das Fensterloch passt. Automatische Kollisionsprüfungen gehören zum Standard Repertoire Objekt orientierter 3D CAD Lösungen, die sich dem BIM Gedanken verschrieben haben.

90% aller Planungen werden mit AutoCAD Revit realisiert, daher gibt es in Singapur keine großen Schnittstellenprobleme zwischen den einzelnen Planungsbereichen. Das Ministerium plant nicht selbst, sondern prüft und genehmigt die jeweiligen Projekte. Pläne müssen digital eingereicht werden, als CAD Datenaustausch Formate kommen DWF = Internet DWG von Autodesk, 3D-PDF und IFC zur Anwendung.
Regeln und Standards sowie Verträge werden vorgeschrieben. Hier konnte ich mit dem Hinweis auf ÖNORM 6241 für Österreich punkten.

Bei Planungsbüros dauert es durchschnittlich 2 bis 3 Jahre, bis alle Prozesse, Verantwortungen und Verträge auf BIM abgestimmt sind. Es geht nicht nur um Architekten, Statiker und Haustechnik / TGA Planer unter einen Hut zu bringen, sondern auch um Baufirmen, die mittels 3D CAD Gebäudemodelle Massenauszüge und Baustellen Logistik daraus ableiten.
BCA unterstützt diese Bemühungen mit Finanzierung und Zuschüssen. Hardware, Software, Schulungen und Investitionen in Anlagen für die industrielle Fertigteil Produktion werden so subventioniert.
Wie ich erfahren konnte, denkt die Regierung von Singapur in 20 Jahr Schritten voraus. In den 80-er Jahren hat man auf Einkaufszentren gesetzt, bis dieser Boom von anderen Städten wie Hongkong und Dubai übernommen wurde.
2000 lag der Schwerpunkt bei Biotechnik und Mikro Elektronik. Jetzt sind es die Casinos die Umsatz und Touristen bringen. Von durchschnittlich 9 Mio. sind es jetzt 12 Mio. Menschen aus China, Malaysia und Philippinen die Singapur besuchen.
Der Staat garantiert jedem Singapurianer eine Gemeindewohnung, daher werden 90% aller Wohnbauten vom Staat Singapur errichtet. Mit den öffentlichen Bauten, Schulen und Infrastruktur Einrichtungen kommt man auf die o.e. 50% Gesamtbauleistung.

Jedes Jahr werden von der Regierung in Singapur Symposien abgehalten, 2015 im Juli – August, wo Stadtverwaltungen aus aller Welt zusammen kommen. Schwerpunkt ist naturgemäß Asien, aber auch Europa ist teilweise vertreten. Stadt Wien und BIG sind jedenfalls herzlich willkommen.

Der Slogan von BCA – Building & Construction Authority of Singapore lautet:
Wir formen eine sichere, hoch qualitative, nachhaltige und freundliche Bau-Umwelt.

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